Sonntag, 23. August 2026, 7:45h morgens, Immenstadt im Allgäu.
Über den großen Alpsee ziehen noch gemächlich die letzten Nebelfetzen ab, während die ersten Sonnenstrahlen das umliegende Bergpanorama ausleuchten.
Ein Schuss durchdringt die Stille, rote Rauchschwaden steigen über dem See auf, und die erste Gruppe Schwimmer wirft sich in die Fluten.
Rückblick: Im Sommer 2025, kurz vor ihrem ersten Triathlon, wird bei ein paar MACH3- Rookies der Samen für diese Reise ins Allgäu gesät. Tobias, selbst im Allgäu aufgewachsen und als Volunteer gerade frisch vom Allgäu-Triathlon-Virus infiziert, setzt der Gruppe einen Floh ins Ohr, den man ab dann nicht mehr ignorieren kann.
Die Anmeldephase im Dezember wird zur Zitterpartie, eine Zusage gleicht einem Lottogewinn: aufgrund der hohen Anmeldezahlen werden die Startplätze ausgelost. Fünf Einzelstarter:innen und zwei Staffeln dürfen sich freuen: die Losfee war ihnen wohlgesonnen. Für den Rest ist klar: dabei sein ist alles – als Volunteer, Zuschauer, Supporter, egal…
Und so kommt es, dass sich am 21. August ´26 eine Gruppe von 15 MACH3´lern in Klassenfahrtmanier (nur mit Bananen statt Bier im Gepäck) auf den Weg ins Allgäu macht, um sich hier drei Tage lang auf die Spuren dieses „Kult“-Triathlons zu begeben.
Dank Tobi war die Unterkunftsfrage schon vorab schnell und unkompliziert gelöst: im heimischen Elternhaus in Oberdorf wird die Einliegerwohnung in Beschlag genommen, dazu die Ferienwohnung vom Nachbarn okkupiert, die Hartgesottenen schlagen ihr Zelt im großzügigen Garten auf.
Am Samstagmorgen wird in aller Früh beim Aloha Swim schon mal die Wasserqualität des Alpsees – und gleichzeitig auch die Kaffeequalität vom Coffee Boat – getestet. Beides schmeckt und lässt erahnen, welches Spektakel morgen zu erwarten ist, wenn sich dann hier 3000 Athlet:innen in den Wettkampf stürzen.
Die weitere Programmgestaltung am Samstag findet sich von selber: ausgiebige Erkundung der Expo, hier und da wird noch mit einem neuen Outfit geliebäugelt, Abholung der Startunterlagen, Check-in der Bikes und heimliches Beäugen der vielen Mitstarter:innen. Die Ortsbegehung des berühmt-berüchtigten Kuhsteigs auf der Laufstrecke sparen wir uns lieber – reicht ja wenn man sich den nur einmal hochquälen muss. Die Käsespätzle bei der Pastaparty bilden eine solide Grundlage fürs Carboloading, zur Sicherheit gibt’s noch ein Spaghettieis hinterher. Im örtlichen Drogeriemarkt werden noch letzte Panikeinkäufe getätigt und der restliche Bestand an Gels und Riegeln aus den Regalen gekratzt. Die zwischenzeitlichen Regenschauer werden gelassen in Kauf genommen – in der Hoffnung dass es dann morgen bitteschön trocken bleibt.
Beim gemeinsamen abendlichen Ausklang auf der Terrasse werden nochmal letzte Details zur Racetaktik diskutiert: wieviel Verpflegung nehme ich mit? Wer muss wann wo stehen um wen zu sehen? Reicht meine Übersetzung für den angstverbreitenden Kalvarienberg? Und heißt er nicht doch eigentlich Kanarienberg? Oder Calabrienberg? Und vor allem bei den Staffeln die wichtige Frage: wo ist der gemeinsame Transponder??
Die ersten tapferen Volunteers machen sich dann schon nachts um 4h auf den Weg zu ihren Einsatzstellen. Gegen 6h endet auch die kurze Nacht für alle anderen. Wie in einer gut eingeübten Choreographie schieben sich alle durch die kleine Küche und das Badezimmer, die Kaffeemaschine gluckert im Dauereinsatz, Bananen werden im Akkord in den Porridge geschnibbelt, Fahrradflaschen befüllt, das letzte Mal der Transponder gesucht – und schon macht sich die kleine Karawane aus Startenden, Volunteers und Zuschauenden bei den ersten Sonnenstrahlen auf den Weg zum Startort nach Immenstadt. Dort herrscht schon ein wuseliges Treiben, Menschenströme bewegen sich von der Wechselzone zum Alpsee – und zwölf aufgeregte Mach3-ler unter ihnen.
Spätestens als sich die Männer mit den Alphörnern am Schwimmstart positionieren und Organisator Hannes Hawaii mit dem ersten Startschuss die mystische Szenerie am Alpsee durchbricht, sind wohl alle von diesem Allgäuvirus angesteckt.
Ab dann beginnt die logistische Meisterleistung: alle Einzel- und Staffelstarter:innen werden nach und nach auf die Strecke gebracht. Während in der Wechselzone das Arbeitsmaterial (bzw die Person) gewechselt wird, wechseln die Zuschauer:innen und Begleitpersonen ihre Standorte, um möglichst alle Schäfchen im Rennen spotten zu können. Das Wetter tut sein übriges: der Himmel blau, kein Wind, keine Wolke, die Temperaturen angenehm.
Als Volunteers hatten wir die Gelegenheit hinter den Kulissen des Allgäu Triathlons zu unterstützen: Da wurden Sonntag in der Früh um 4:15h Brötchen geschmiert, damit die Helfenden mit gefülltem Magen von P1 bis Schwimmausstieg, aber auch jenseits der Hotspots arbeiten konnten. Von den mit Spannung erwarteten Führenden bis hin zum Besenwagen haben wir als Streckenposten für Sicherheit gesorgt, gewunken bis uns die Arme weh taten, angefeuert, und uns über jedes vorbei rollende MACH3-Logo gefreut – und dabei Triathlon aus einer völlig neuen Perspektive erlebt.
Der Full Circle Moment schließt sich im Ziel – hier findet sich die Gruppe wieder, alle fallen sich wohlbehalten und von den Emotionen ergriffen in die Arme, beglückt darüber, dass der Canaillenberg bezwungen, der Kuhsteig erklommen und das Wasser im Alpsee geteilt wurde.
Bei anschließender Pasta und Kaiserschmarrn werden gemeinsam die Erlebnisse aus dem Wettkampf nachbesprochen, die Eindrücke dieser sehr dichten drei Tage versucht ein zu sortieren, die Stimmung wechselt zwischen Stolz, Euphorie und einsetzender Erschöpfung.
Unter’m Strich bleibt vor allem festzuhalten: nicht nur der Allgäutriathlon an sich, sondern auch der Spirit und die Harmonie innerhalb der Gruppe haben das Wochenende besonders gemacht. Und bevor überhaupt die letzten Zelte abgebaut sind, werden auch schon die Pläne fürs nächste Jahr ins Auge gefasst – denn: wir kommen wieder!
(Johanne Duensing & Meike Renner)



