Die richtige Übersetzung

Der Fahrradantrieb und die passende Übersetzung

Bild 1Gefühlt war früher die Auswahl der richtigen Übersetzung recht einfach. Die Kurbel hatte 53 und 39 Zähne und das Ritzelpaket gab es mit 7 oder 8 Ritzeln in strammer Abstufung. Spätestens seit dem Aufkommen von Kompakt- oder Dreifach-Kurbeln und mittlerweile 11 Ritzeln hinten kann man die Übersetzung aber genauer auf die Bedürfnisse aller Radfahrer zuschneiden – ob Triathlet, Hobbyradfahrer oder Radprofi. Aber wie findet man durch das Dickicht möglicher Übersetzungen?

Kurbeltypen

Neben der Standardkurbel, die sich in erster Linie an den Bedürfnissen von Radrennfahrern orientiert, hat sich die Kompaktkurbel als Quasi-Standard etabliert. Während die Standardkurbel im Regelfall 53/39 Zähne hat, wird die Kompaktkurbel beispielweise mit 50/34 oder 50/36 geliefert.

Kompaktkurbeln eigenen sich aufgrund der kleineren erzielbaren Übersetzung sehr gut für lange und steile Bergetappen sowie bei weniger trainierten Fahrern, um Schwächen auch an kleineren Steigungen auszugleichen.

Jedoch ist der Einsatz in der Ebene und bergab dadurch limitiert, dass sich hohe Geschwindigkeiten nur durch deutlich höhere Trittfrequenzen erzielen lassen. Der Einsatz dieser Kurbeln in einem Wettkampf mit ebenem Geländeprofil ist daher weniger optimal. Zudem ist der Ketten- und Ritzelverschleiß im Gegensatz zur Standardkurbel etwas größer.

Kurbellänge

Je nach Körpergröße sind die Standardlängen zwischen 170 und 175 mm für die meisten Sportler ausreichend. Dabei ist die optimale Länge auch von der jeweiligen Körpergröße abhängig. Mit zu kurzen Kurbeln könnten Sie zwar schnell treten, sind aber nicht mehr in der Lage, Ihre Kraft optimal zu entfalten. Dieses Verhältnis kehrt sich bei zu langen Hebeln ins Gegenteil um. Die Länge der Kurbeln hat also einen Einfluss auf die Trittfrequenz und die Leistung.

Ritzelauswahl

Kombinieren lassen sich alle Kurbeltypen mit Kassetten von sportlichen 11 bis 21 Zähnen bis hin zu angenehmen 12 bis 29 Zähnen. Dabei bedeutet dieses breite Angebot einerseits eine große Freiheit beim Antrieb, egal ob Einsteiger, Triathlet, Rennfahrer oder Alpinist, andererseits aber auch viele weniger geeignete Kombinationsmöglichkeiten.

Sportlich fällt die klassische Übersetzung mit zwei großen Kettenblättern aus. Wer dazu fein abgestufte Kassetten (bis max. 23 oder 25 Zähne) wählt, erhält gleichmäßige Übersetzungssprünge für runden Tritt in fast jedem Gang.

Universell sind die Kompaktübersetzungen, im Beispiel unten exemplarisch mit 36er-Blatt dargestellt. Mit 25er-Ritzel hat man ein großes Übersetzungsspektrum, jedoch fehlen die ganz kleinen und ganz großen Übersetzungen.

Maximal decken Kompaktkurbeln mit einem 34er Blatt das Übersetzungsspektrum für jedes Gelände ab. Wer mit 27er-Ritzel fährt, hat besonders an steilen Kletterpassagen große Vorteile. Hier sind die Übersetzungssprünge jedoch recht groß und es ist schwierig den richtigen Anschlussgang zu finden, da die Trittfrequenz großen Sprüngen unterworfen ist.

Grundsätzlich sollten in erster Linie aufgrund des Kettenschräglaufes einige Kettenblatt-Ritzel-Kombinationen nicht genutzt werden

Trittfrequenz

Vor allem Triathleten und insbesondere Anfänger fallen häufig durch sehr niedrige Trittfrequenzen auf. Eigentlich wäre aufgrund des höheren Wirkungsgrads der Muskulatur diese auch zu bevorzugen. Das spiegelt sich auch häufig in den kleineren Umdrehungszahlen der Sportanfänger wider, die meist niedrige Trittfrequenzen bevorzugen. Verschiedene Gründe sprechen dafür, dass eine hohe Kadenz auf dem Renn- oder Triathlonrad viel mehr Vorteile bringt als eine niedrige.

Im Rahmen verschiedener Studien wurde die Frage nach der optimalen Trittfrequenz schon häufig untersucht. Dabei deutete es sich an, dass die optimale Trittfrequenz – bezogen auf die Leistung – bei 100–110 Umdrehungen pro Minute liegt. Diese Umdrehungszahlen sind daher bei den Radprofis sehr verbreitet.

Bei den Triathleten sind eher niedrigere Trittfrequenzen zu beobachten. Argumentiert wird dabei häufig mit dem Sauerstoffverbrauch. Schwierig ist dabei, dass im Anschluss an das Radfahren auch noch ein Lauf absolviert werden muss. Unter welchen Bedingungen kann als die Laufleistung am ehesten gefördert werden? Zahlreiche Studien vermuten, dass eine hohe Trittfrequenz auf der Radstrecke auch eine höhere Schrittfrequenz ermöglicht und die Laufleistung dabei vor allem von der Schrittfrequenz abhängt. Die Schrittlänge blieb unbeeinflusst. Das über eine längere Zeit ausgeführte Bewegungsmuster wird auch im Anschluss unbewusst für andere Belastungen übernommen.

Was nun?

Der Einsatz der Kurbel sollte gut überlegt sein, zumal der Tausch der Kurbel finanziell recht aufwändig ist. Ritzelpakete hingegen lassen sich ohne größeren finanziellen und technischen Aufwand tauschen und ermöglichen so eine schnelle Anpassung der Übersetzung an die entsprechenden Erfordernisse.

Dabei hat jeder Fahrer seine individuelle Trittfrequenz, bei der er sich subjektiv am wohlsten fühlt. Mit zunehmender Leistung sind jedoch höhere Trittfrequenzen besser. In der Ebene rollt es optimal mit 90 bis 110 U/Min. Am Berg muss der Fahrer mit jedem Tritt Kraft übertragen, daher sieht man hier eher niedrigere Trittfrequenzen von 60 bis 90 U/Min. Ganz wichtig: Der runde Tritt, also neben dem Drücken auch das Ziehen am Pedal, wenn die Kurbel sich nach oben bewegt, wird bei niedrigen Trittfrequenzen deutlich erleichtert.

Sogenannte Ritzelrechner helfen bei der Auswahl –beispielsweise auf der Seite von Radsport Michalsky (http://www.radsport-michalsky.de/ritzelrechner.php)

Beispiel

Kompaktübersetzung 50/36 mit 11fach-Kassette mit 11-25 Zähne bei moderaten 95 U/min. Dabei sind die roten Übersetzungen aufgrund des großen Kettenschräglaufs „verboten“.

Die Tabellen zeigen die Übersetzung bzw. die Entfaltung, d.h. die Wegstrecke, die bei einer Kurbelumdrehung zurückgelegt wird, und die Geschwindigkeit bei der eingestellten Tretgeschwindigkeit an.

ÜbersetzungDaten